Islam kompakt: Prophetie im Islam

„Was bedeutet es an die Propheten zu glauben? Wer sind Propheten? Warum wurden Propheten gesandt? Braucht man Propheten – reicht die Vernunft nicht aus? Welche Eigenschaften und Attribute besitzen sie?“

Iclal Baki hat islamische Theologie an der Universität Ankara studiert und ihren Master an der Westfälische Wilhelms Universität in Münster im Bereich Islamwissenschaften und Arabistik abgeschlossen. Seit 2019 arbeitet sie als Wissenschaftliche Mitarbeiterin an der Europa-Universität Flensburg in der Abteilung Dialog der Religionen und wird dort mit ihrer Promotion beginnen.

Anmeldungen unter info@ruhrdialog.org oder 0151 / 70091234

Die Veranstaltung ist kostenfrei.

Datum: 23.01.2020
Zeit: 18:30 – 20:30 Uhr
Ort: Vielrespektzentrum, Rottstr. 24-26, 45127 Essen

Referentin: Iclal Baki, Islamtheologin

Den Vortrag kann man hier als Podcast hören:

 

Zusammenfassung


Der Glaube an die Propheten ist eine Glaubensgrundlage im Islam. Gott hat zu jedem Volk und zu jedem Zeitalter zahlreiche Propheten entsandt. Der Prophet Mohammad hält als Gesandter Gottes eine besondere Stellung unter den Propheten inne; er gilt als Letzter und als Siegel der Propheten.

Al-Ahzab (Die Gruppierungen, Sure 33)

(40) Muḥammad ist nicht der Vater irgend jemandes von euren Männern, sondern Gottes Gesandter und das Siegel der Propheten. Und Gott weiß über alles Bescheid.


Die Prophetengeschichten gehören zu den zentralen Themen des Korans. Ganze Koranabschnitte (Suren) sind nach Propheten benannt. Es werden hier jedoch nur Lebensausschnitte erwähnt. Ergänzungen sind in Prophetenüberlieferungen zu finden, in den sog. Hadithen. Die Prophetengeschichten dienen den Lesern als Lehre und Beispiel und können auf Situationen im eigenen Alltag übertragen werden.
Propheten sind jene Personen, die von Gott auserwählt worden sind, um die Botschaften und Offenbarungen zu übermitteln. Sie haben diese Rolle nicht durch eigene Anstrengung erreicht, sondern durch Gottes Ernennung.
Im Islam spielen die Propheten aller abrahamitischen Religionen eine überaus wichtige Rolle. Adam, Abraham, Moses und Jesus sind einige Beispiele für Propheten, die im Koran genannt und von Muslimen geehrt werden. (Deutschlandfunk-Beitrag zu Jesus im Koran)

Al-Imran (Die Sippe Imrans, Sure 3)

(44) Dies ist eine der Verkündungen des Verborgenen, die Wir dir offenbaren. Denn du warst nicht bei ihnen, als sie ihre Losröhrchen warfen, wer von ihnen Maria pflegen sollte. Und du warst nicht bei ihnen, als sie miteinander stritten.
(45) Damals sprachen die Engel: “O Maria, siehe, Gott verkündet dir ein Wort von Ihm; sein Name ist der Messias, Jesus, der Sohn der Maria, angesehen im Diesseits und im Jenseits, und einer von denen, die (Gott) nahe stehen.

Propheten werden unterschieden zwischen Rasul (Propheten, die eine Offenbarungsschrift überbringen) und Nebi (Propheten, die ohne Offenbarungsschrift wirken). Ein Mensch verfügt über eine Entscheidungsfreiheit und kann sowohl Gutes als auch Schlechtes bewirken. Nach islamischen Verständnis benötigt der Mensch einen Wegweiser, der ihm den Sinn und Zweck seiner Existenz sowie Wege zur Glückseligkeit im Diesseits und im Jenseits aufzeigt.  Alle Propheten verkündeten in den Grundzügen dieselbe Botschaft. Sie berichten von der Einheit Gottes, von einem Leben nach dem Tod, Gerechtigkeit und Barmherzigkeit; entsprechend lebten die Propheten für ihre Gemeinschaften. Des Weiteren warnten sie die Menschen vor dem Götzendienst.

Die Propheten sind Vorbilder für ihre Gemeinschaft. Sie zeigen, wie das Gleichgewicht zwischen Diesseits und Jenseits aufrechtzuerhalten ist. Wenn man dieses Gleichgewicht nicht wahrt, kann es zu extremen Haltungen kommen. Die Propheten hingegen bevorzugten es stets, einen Mittelweg einzuschlagen.  Die gemeinsamen Attribute aller Propheten sind Wahrhaftigkeit, Vertrauenswürdigkeit, Übermittlung der Botschaft, Scharfsinnigkeit und Sündlosigkeit.